Pisa – Wohnmobil-Reise durch die Toskana

Inzwischen ist schon der dritte Tag unserer Rundreise durch die Toskana. In den vergangenen beiden Tagen haben wir die Cinque Terre (Region Ligurien) und Carrara erkundet.

Pisa gehört für alle, die noch nie in der Toskana waren, zum Pflichtprogramm.
Das spürt man natürlich am Wahrzeichen der Stadt: dem berühmten schiefen Turm!

Und doch hat Pisa viel mehr zu bieten als nur das „Standard-Touristenprogramm“, das alle erleben, die sich etwa ab Florenz mit dem Bus zu einem Halbtages-Ausflug nach Pisa karren lassen. Um Gefallen an der Stadt zu finden, muss man sich auf Pisa ein bisschen einlassen. Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal in der Stadt war, hat sie mir zugegeben nicht so gut gefallen. Beim zweiten Besuch habe ich meine Meinung aber geändert.

Mit knapp jedem Zweiten der 91.000 Einwohner ist Pisa eine richtige Studenten-Stadt.

 

Pisa mit dem Wohnmobil

Der Wohnmobilstellplatz Pisa Area Comunale eignet sich gut als Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung. Sei es nur zum Parken oder auch zum Übernachten.

Der Stellplatz bietet Parkmöglichkeiten für etwa 60 Wohnmobile.
Preis: 12,00 € für 24 Stunden.

Direkt vor dem Wohnmobil-Stellplatz gibt es eine Bushaltestelle. Die Linie E fährt direkt in die Innenstadt. Ansonsten ist der Schiefe Turm auch zu Fuß oder mit dem Rad gut erreichbar. (Einfache Wegstrecke: ca. 2 Kilometer.)

Adresse:

Wohnmobilstellplatz Area Comunala Pisa
Via di Pratale 76
56127 Pisa

Breitengrad: 43° 43′ 17″ N
Längengrad: 10° 25′ 14″

Wissenswertes über Pisa –
Hauptattraktionen und ein bisschen Geschichte

Machen wir uns nichts vor. Natürlich kommen wir alle aus dem selben Grund in die Stadt am Arno: wir möchten einmal den berühmten Campanile des Doms, den „Schiefen Turm von Pisa“ mit eigenen Augen sehen.
Deswegen: erstmal zu den Hauptattraktionen. Sie stehen allesamt auf der Piazza dei Miracoli.

Rund um die Piazza dei Miracoli

Piazza Miracoli
Piazza Miracoli

Die „Piazza dei Miracoli“, der Platz der Wunder, war früher schlichtweg der Domplatz, der „Piazza del Duomo“. Rund um den Platz steht Pisas spektakuläres Bau-Ensemble, bestehend aus dem Dom Santa Maria, dem Baptisterium, dem Friedhof Composanto und natürlich: dem Schiefen Turm.
Die Bauwerke wurden allesamt aus weißem Carrara-Marmor gearbeitet.

Seit 1987 gehört die Piazza dei Miracoli zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Schiefe Turm:

Durchschnittliche Höhe: 55,425 Meter, Umfang: 107 Meter

Pisa Schiefer Turm
Begehrtes Fotomotiv: Der Schiefe Turm

Der Schiefe Turm ist der freistehende Glockenturm des Doms. Bereits 1173 begann man mit dem Bau. Schon während der ersten Bauphase geriet er in eine bedenkliche Schieflage. Mit einigen Unterbrechungen wurde er im Jahre 1372 – nach fast 200 Jahren Bauzeit(!) – endlich fertig gestellt. Auf der niedrigeren Seite ist der Dom Dom 54,25 Meter hoch. An der höchsten Stelle misst er 56,6 Meter. Der Neigungswinkel beträgt fünf Grad.

Bis 2001 war der Turm aus Sicherheitsgründen für elf Jahre gesperrt. Sieben Kubikmeter Erde wurden abgetragen und und der Neigungswinkel um ein halbes Grad gesenkt. Inzwischen ist er wieder begehbar.

Bei so vielen Zahlen gibt es gleich noch eine wichtige dazu: 9,81!
Wer in Physik ein bisschen die Ohren gespitzt hat, dem sagt die Zahl sicherlich etwas.
Für alle anderen: Galileo Galilei, 1564 in Pisa geboren, führte von der Spitze des Turmes seine Studien zu den Fallgesetzen durch.

Der Dom

Dom von Pisa
Weit weniger bekannt als sein Glockenturm: Der Dom von Pisa

Der Dom wurde im 11. und 12. Jahrhundert gebaut. Gewidmet ist er der Heiligen Maria Assunta. Obwohl er zur Zeit der Romanik entstand, vereint der Dom trotzdem verschiedene Baustile miteinander und hat sogar orientalische und byzantinische Einflüsse.

Der Friedhof Camposanto

Composanto – zu Deutsch „Heilige Erde“. Die Erde des Friedhofs ist – zumindest für alle gläubigen Katholiken – in der Tat heilig: einer Legende zufolge stammt sie vom Berg Golgotha. Als Kreuzzugs-Beute lies der italienische Erzbischof im Jahr 1203 mehrere Schiffsladungen heiliger Erde in von Jerusalem nach Pisa bringen.

Das Baptisterium

Das Baptisterium, das Taufhaus
Das Baptisterium, das Taufhaus

Ein weiterer auffälliger Bau ist das Baptisterium, das Taufhaus. Es ist das größte Taufhaus Italiens. Die Figur auf der Spitze stellt Johannes den Täufer dar.

Eintrittspreise rund um die Piazzi dei Miracoli:

Schiefer Turm: 18 € (Zugeteiltes Zeitfenster, Besichtigungszeit 30 Minuten)
Dom: kostenfrei, aber Eintrittskarte notwendig
Dom Museum: 5,00 €
Friedhof Camposanto: 5,00 €
Baptisterium: 5,00 €

Zwei Sehenswürdigkeiten (außer Turm): 7,00 €
Alle drei Sehenswürdigkeiten: 8,00 €

Aktuelle Preise, Onlinetickets und Ticket-Kombinationen unter: www.opapisa.de

 

Pisa: Ein Hauch von Geschichte

Die Geschichte Pisas beginnt bereits vor über 2.500 Jahren. Einst war die Stadt eine Etrusker-Siedlung. Später ging sie an die Römer über. Der fruchtbare Boden, der Waldreichtum (Holz wurde für den Schiffsbau benötigt) und vor allem die strategisch günstige Lage am Meer und zugleich am Arno verhalfen Pisa zu ihrem Status als Handels- und Seemacht.

Im Mittelalter hatte Pisa noch einen direkten Zugang zum Meer. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich im Delta des Arno Ablagerungen aus Sand und Gestein. Inzwischen liegt Pisa zehn Kilometer vom Meer entfernt.

Handel, erfolgreiche Kriege mit reicher Beute und Kreuzzüge machten die Stadt reich. So konnte man sich die prächtigen Bauten, für die die Stadt heute so berühmt ist leisten.

Nach mehreren Kriegen mit anderen Handelsmächten wurde Pisa im Jahr 1406 endgültig von Florenz erobert. Die Florentiner besetzten Stadt und Hafen. Eine Hungersnot und Krankheiten brachen aus, viele Einwohner mussten aus der Stadt fliehen oder starben.

Zur gleichen Zeit entwickelte sich im 15. Jahrhundert in Pisa ein eigener Dialekt, der noch heute gesprochen wird.

Ab dem 17. Jahrhundert begannen die Medici, der Stadt wieder zu neuer Blüte zu verhelfen.

Im zweiten Weltkrieg wurde unter anderem der Friedhof Campo Santo während eines Luftangriffs der Amerikaner stark beschädigt.

 

Warum Pisa noch viel mehr ist, als der „Schiefe Turm“

Die Massen an Touristen, die sich alle um die Piazza dei Miracoli tummeln und scheinbar alle nach dem selben Fotomotiv lechzen (den Turm mit einer Hand stützen zu wollen und dabei krampfhaft komisch aussehen) können einen ganz schön erschlagen.

Schlendert man nur wenige Meter weiter, erlebt man das typische, ursprüngliche Pisa.

Die Universitäten haben in eine sehr große Tradition und einen hohen Stellenwert. So gibt es neben gleich zwei Elite-Unis, der Scuola Normale Superiore, gegründet von niemand geringerem als Napoleon Bonaparte und der Scuola Superiore Sant’Anna auch noch eine der ältesten Unis in ganz Italien: die „Università di Pisa“ – die Universität von Pisa, gegründet 1343. Sie ist eine der Prestigeträchtigsten des Landes.

An dem schönen und einladenden Platz die Piazza dei Cavalieri lohnt es sich, sich einfach einmal einige Minuten Zeit zu nehmen und die Menschen und das treiben auf dem Platz zu beobachten.

Die Piazza dei Cavalieri

Palast der Ritter oder Carovana

Pisa Scuola Superiore Normale
Die Eliteuni Scuola Superiore Normale

Unter Cosimo I de‘ Medici diente der Palast als Trainingszentrum der Ritter, heute befindet sich in dem Gebäude die 1810 von Napoleon gegründete Scuola Normale Superiore. Die Eliteuni beherbergt zwei Fakultäten: eine für Kunst und die Fakultät für Naturwissenschaften. Um an der Schule aufgenommen werden zu dürfen, muss mann ein strenges Aufnahmeverfahren durchlaufen.

Mittelalterlicher Turm der Bibliothek der Scuola Normale Superiore

Turm der Bibliothek von Pisa
Turm der Bibliothek

Die beiden Gebäude links und rechts neben dem Turm stammen aus dem 16. Jahrhundert. In den Gebäuden befindet sich die zur Scuola Normale Superiore gehörende Bibliothek.
Die Gebäude wurden miteinander verbunden, so entstand der Turm zwischen den zwei Häusern.

Statue von Cosimo I de‘ Medici

 Cosimo I de' Medici
Statue von Cosimo I de‘ Medici

Direkt vor der Scuola Normale Superiore steht die Statue von Cosimo I de‘ Medici. Der Kopf des Delphins, auf dem sein rechtes Bein steht, soll ihn als großen Seefahrer darstellen und seine Macht über die Meere demonstrieren.
Wenn man genauer hinsieht fällt auf, dass einige Teile der Statue fehlen. Sie vielen dem Vandalismus zum Opfer.

Und sonst so…

An den Ufern des Arno und am Aquädukt entlang kann man sehr schöne Spaziergänge unternehmen. In den Gassen zwischen Arno und Piazza dei Miracoli gibt es nette Cafés und kleine Geschäfte.

Wohnmobil-Reise durch die Toskana: hier geht´s weiter nach Vinci!

oder zurück nach Carrara…

Annalena Bauer
Annalena Bauerhttps://www.ausflugsbox.de
"In Bayern daheim - in der Welt zu Hause". Auch wenn Annalena beruflich viel und gerne weltweit unterwegs ist, gefällt es ihr "dahoam" schließlich doch am Besten. Mit "dahoam" ist allerdings nicht das heimische Wohnzimmer, sondern vielmehr Bayern und der Alpenraum gemeint. Ob zu Fuß oder mit dem Rad - Hauptsache in der Natur!

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