Nachdem wir uns heute in Vinci schon in aller Ausführlichkeit mit dem Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci beschäftigt haben, geht es am Abend weiter in die Renaissance-Stadt schlechthin: nach Florenz!
Die 380.000 Einwohner Stadt am Arno zählt zu den bedeutendsten Kulturmetropolen der Welt. Jährlich kommen fünf Millionen Touristen, um die Stadt zu besichtigen.
Florenz mit dem Wohnmobil
Mit dem Wohnmobil durch Florenz zu fahren ist ein kleines Abenteuer, zumindest wenn man es ohne Macken, Schrammen und Dellen wieder aus der Stadt schaffen mƶchte.
Wenn man – so wie wir – die Rush-Hour erwischt, kann das Abenteuer schnell in Stress umschlagen. Wir waren jedenfalls sehr glücklich, als wir endlich unseren Campingplatz erreicht hatten.
Der Campingplatz „Firenze Camping in Town“ ist empfehlenswert. Sehr angenehm war der platzeigene Shuttleservice in die Innenstadt von Florenz.
Parken und Ćbernachten mit dem Wohnmobil
Firenze Camping in Town
Via Generale C. A. dalla Chiesa 1/3
50136 Firenze
Ein bisschen was über die Stadt
Ćhnlich wieĀ Siena, hatte Florenz ihre Blüte ebenfalls im Mittelalter. WƤhrend in Siena streng nach Gotischen Vorschriften gebaut wurde, gilt Florenz als die Wiege der Renaissance.
Florenz geht – wie kƶnnte es anders sein – auf die Etrusker zurück. Im Jahr 59 n. Chr. gründete Julius CƤsar auf den Mauern der alten Siedlung die Stadt als „Florentia“.
Einige damals angelegte StraĆenzüge existieren noch heute.
Im 9. Jahrhundert wurde Florenz durch Kriege fast vollstƤndig zerstƶrt. Um 1.000 nach Christus begann der Wiederaufstieg. Im 12. Jahrhundert wurde die Stadt schlieĆlich autonom.
In den darauffolgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu erbitterten Kämpfen, unter anderem mit Siena. Bei den Auseinandersetzungen standen sich die kaisertreuen Ghibellinen und die Anhänger des Papstes, die Guelfen gegenüber.
In der Renaissance erlebte Florenz durch die Medici einen nie dagewesenen Aufschwung. Bedeuntende Künster wie Donatello, Botticelli, oder Michelangelo und Gelehrte wieĀ Galileo Galilei, Hofmathematiker der Medici, lieĆen sich in Florenz nieder. UnzƤhlige Bauwerke wurden von der reichen Bankiersfamilie gesponsert.
Mit dem Tod des letzten Medici, Gian Gastone, ging die Ćra zu Ende. Er starb im Jahr 1737 kinderlos. Florenz ging zunƤchst an die Habsburger über. In einem Intermezzo mit Napoleon wurde es kurzzeitig zu franzƶsischem Territorium, ehe es anschlieĆend bis 1859 wieder habsburgisch wurde.
Von 1865 bis 1871 war Florenz sogar für kurze Zeit Hauptstadt Italiens, das sich damals als „Nationalstaat Italien“ neu gegründet hatte.
Der Tourismus hielt in der Stadt sehr früh Einzug. Schon im 19. und 20. Jahrhundert kamen „Bildungsreisende“, um sich die Stadt und die Kunst anzusehen.
1982 wurde Florenz zur UNESCO Weltkulturerbe Stadt.
Florenz und der Mythos der Medici

Die Geschichte Florenz“ ist mit keiner anderen Familie so sehr verknüpft wie mit der Familiengeschichte der Medici. Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert war die Bankiersfamilie Medici eine der reichsten und einflussreichsten Familien Europas. Aus der Familie der Medici gingen Herzöge, Päpste und zwei französische Königinnen hervor.
Ursprünglich waren die Medici eine wohlhabende, aber nicht sonderlich reiche Kaufmannsfamilie, die ihr Geld im Textilhandel verdient.
Der Aufstieg und damit der sagenhafter Reichtum der Familie Medici beginnt, als Giovanni di Bicci deā Medici Anfang des 15. Jahrhunderts Bankier des Papstes wird.
Durch geschickten Umgang mit Geld und skrupellosem Taktieren steigen die Medici nach und nach auf. Sie haben hohe Ćmter in der Politik inne und gehƶren zu den reichsten Familien in Europa.
Und, sie haben noch etwas: einen ausgeprƤgten Sinn für Kunst. Keine andere Familie hat das Bild ihrer Heimatstadt so sehr geprƤgt wie die Medici Florenz: einen GroĆteil ihres Reichtums setzen sie in Prachtbauten von verschwenderischen AusmaĆen um. Sie fƶrdern junge Künstler wie Michelangelo, Botticelli oder da Vinci.
Sehenswürdigkeiten in Florenz
Florenz, die Hauptstadt der Toskana, hat allerhand reizvolles zu bieten. Für eine ausgiebige Stadtbesichtigung ist ein Tag viel zu wenig. Trotzdem haben wir versucht,Ā uns einen guten Ćberblick zu verschaffen und uns mƶglichst viel anzusehen. Die Sehenswürdigkeiten sind daher nur eine kleine Auswahl, in Florenz gƤbe es noch viel, viel mehr zu entdecken.
Ponte Vecchio

Unsere Bushaltestelle liegt ganz in der Nähe der Ponte Vecchio, der berühmtesten Brücke von Florenz. Nachdem wir ohnedies auf die andere Seite des Arno möchten, um die Stadt zu besichtigen, nutzen wir gleich die Gelegenheit und gehen in Richtung Ponte Vecchio.
Ponte Vecchio heiĆt auf Deutsch soviel wie „Alte Brücke“. Der Name passt, ist sie doch die einzige Brücke in Florenz, die noch aus dem Mittelalter erhaltene ist. Die anderen vielen im Zweiten Weltkrieg der Zerstƶrungswut zum Opfer. Sie wurden von deutschen Truppen gesprengt.
Im Mittelalter hatten auf der Ponte Vecchio vor allem Metzger ihre Schlachthäuser und Geschäfte, ab dem 16. Jahrhundert fingen Goldschmiede an, sich auf der Brücke nieder zu lassen. Auch heute gibt es auf der Brücke noch viele Schmuckgeschäfte.
Die Piazze von Florenz
Piazza della Signoria
Wenn man über die Ponte Vecchio in die Innenstadt von Florenz kommt, gelangt man sehr schnell auf die Piazza della Signoria, auf den „Platz der Lordschaft“.
Im Mittelalter avancierte der Platz zum politischen Mittelpunkt der Stadt. Cosimo I. de“Medici lies seinen Wohnsitz in den Palazzo della Signoria verlegen, der seitdem Palazzo Vecchio umbenannt wurde. Heute dient der Palazzo Vecchio als Rathaus von Florenz.
Auf der Piazza della Signoria sind unglaublich viele Skulpturen, darunter Nachbauten des berühmten David von Michelangelo, Judith und Holofernes von Donatello und weiteren Kunstwerken der Renaissance zu entdecken.
Die groĆe und auffallende Reiterstatue stellt Cosimo I. deĀ“Medici dar.
Piazza della Repubblica

Die Piazza della Repubblica galt einst als das wirtschaftliches Zentrum von Florenz. Bereits zu Zeiten der Rƶmer war der Platz der Marktplatz der Stadt.
Cosimo I. de“Medici siedelte während seiner Amstzeit die Juden der Stadt an der Piazza della Repubblica an. Ein Ghetto entstand.
Während Florenz von 1865 bis 1871 für gerade einmal sechs Jahre zur Hauptstadt Italiens ernannt wurde, baute man den Platz radikal um.
Heute haben bekannte Marken ihre Filialen rund um dieĀ Piazza della Repubblica.
Piazza del Duomo
Während der Piazza della Repubblica als wirtschaftliches und Piazza della Signoria als politisches Zentrum galten, war die Piazza del Duomo seit jeher das kirchliche Zentrum.
Um den Domplatz stehen – neben dem Dom – der Campanile, das Baptisterium und das Dommuseum, mit weiteren KunstschƤtzen (unter anderem ist hier Michelangelos PietĆ” ausgestellt).
Die GebƤude um den Domplatz
Dom: Kathedrale Santa Maria del Fiore
Wenn man auf dem Domplatz steht, überrollt einen eine mƤchtige Lawine an Eindrücken. Die AusmaĆe des Doms grenzen an sakraler GrƶĆenwahnsinn. Ursprünglich war der Dom ein reines Statussymbol: die StƤdte Venedig, Pisa und spƤter Siena lieferten sich einen regelrechten Wettkampf um die schƶnste und grƶĆte Kirche.
Der Florentiner Dom ist die viertgrƶĆte Kirche der Welt, er fasst rund 30.000 Menschen! Die Farben auf der AuĆenfassade wurden mit Bedacht gewƤhlt: so steht die Farbe weiĆ für den Glauben, rot für die Liebe und grün für die Hoffnung. Im Innern ist der Dom reich verziert.
Campanile
Der Campanile ist der Glockenturm des Doms und knappe 85 Meter hoch. Nachdem man die 414 Stufen des Turmes erklommen hat, ist einem eine spektakulƤre Aussicht sicher.
Baptisterium „San Giovanni“
Das Baptisterium ist die Taufkirche des Domes und Johannes dem TƤufer geweiht. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert.
Dommuseum
Im Dommuseum sind weitere Kunstwerke ausgestellt, die die Familie Medici gesammelt hat. Unter anderem kann man hier die berühmte PietÔ von Michelangelo finden.
Uffizien

Die Uffizien gehören zu den wichtigsten Kunstmuseen der Welt. In gut 100 Sälen werden hier die Zeichnungen, Drucke, Gemälde und Skulpturen der berühmtesten Renaissance Künstler ausgestellt.
Die Medici waren nicht nur Auftraggeber bekannter Kunstwerke, sondern auch erfolgreiche Kunstsammler. In den Uffizien ist nur ein Teil ihrer unermessliche Sammlung untergebracht.
Palazzo Pitti
Wer noch nicht genug von groĆer Kunst hat, kann einen weiteren Streifzug durch den Palazzo Pitti unternehmen.
Der Palazzo Pitti geht auf die reiche Kaufmanns-Familie von Luca Pitti zurück. Sie wollten dem Prunk der Medici etwas entgegen setzten und das grƶĆte Haus der Stadt errichten. WƤhrend des Baus gingen sie allerdings pleite. Wie es das Schicksal wollte, übernahmen die Medici den Bau.
Heute sind im Palazzo Pitti gleich mehrere Museen untergebracht. Unter anderem eine Kunstsammlung der Medici mit über 500 Werken.
Medici Grabkapellen
In den Medici Grabkapellen liegen etwa 50 Familienmitglieder des Medici Clans begraben. Papst Leo X., ein geborener Medici lieĆ das Mausoleum für seine Familie errichten. Ursprünglich wurde Michelangelo mit dem Bau beauftragt. Fertiggestellt wurden die GrƤber erst im 18. Jahrhundert, alsĀ Gian Gastone deā Medici,Ā der letzte Medici 1737 starb.
Heute ist die Medici Grabkapelle ein staatliches Florentiner Museum.
Fontana del Porcellino

Fontana del Porcellino heiĆt übersetzt „Ferkel-Brunnen“ – die Italiener sind lustig.
Das Ferkel ist nƤmlich gar kein Ferkel, sondern ein ausgewachsener Eber.
Jedenfalls steht die Skulptur in der Nähe der Brücke Ponte Vecchio. Und dem Wildschwein, sei es nun ein Ferkel oder ein Eber, einmal über die Nase zu streicheln soll Glück bringen.
Ein beliebtes Foto Motiv ist es in jedem Fall.
Die schƶnsten Aussichtspunkte
Domkuppel

Ein beliebter Aussichtspunkt über die Dächer der Stadt ist die Kuppel des Doms Santa Maria del Fiore. Die Kuppel ist 107 Meter hoch. Die Aussicht soll wundervoll sein. Allerdings hätten wir über eine Stunde anstehen müssen, was uns die Sache nicht wert war. Kleines Trostpflaster: die Besichtigung der Domkuppel ist sogar gratis.
Glockenturm

Nicht weniger schƶn soll der Blick vom Campanile, vom Glockenturm sein, auch wenn er mit knapp 85 Metern ein ganzes Stück niedriger als die Domkuppel ist. Im Gegensatz zur Domkuppel kostet der Campanile Eintritt: 15,00 ā¬, Kombiticket fürĀ Dommuseum, Taufkapelle und Glockenturm
Richtig gut Essen…
… kann man Mercato Centrale, auch Mercato die San Lorenzo genannt. Ihn gibt es bereits seit dem spƤten 19. Jahrhundert. In der Markthalle werden auf zwei Stockwerken allerhand SpezialitƤten, angefangen von Obst und Gemüse, über Fisch und Fleisch bis hinzu kƶstlichen, frisch zubereiteten Italienischen Gerichten verkauft.
Der Markt liegt etwas versteckt hinter einer eher unscheinbaren Hausfassade. Er befindet sich direkt an der Piazza del Mercato Centrale und unweit des Hauptbahnhofs.
Wohnmobil-Reise durch die Toskana: hier geht“s weiter nach San Gimignano!
oder zurück nach Vinci…






