Siena – Wohnmobil-Reise durch die Toskana

Für mich ist Siena eine der schönsten Städte Italiens, vielleicht sogar die schönste.

Schon die Anfahrt durch das Umland ist ein richtiger Augenschmaus:
Mitten in der für die Toskana typischen Hügellandschaft, mit ihren schnurgeraden Zypressen-Alleen, den üppigen Weinbergen und Olivenhainen erscheint plötzlich eine Stadt in warmen Ocker-Tönen:

Siena!

Die Silhouette prägen der auf einem Hügel thronenden Dom und der markanten Torre Mangia.

Alleine das einladende Stadtbild macht Neugierig darauf, mehr von Siena zu entdecken.

 

Siena mit dem Wohnmobil

Das Stadtzentrum von Siena ist für Autos (und natürlich auf für Wohnmobile) gesperrt. 1956 wurde die Innenstadt von Siena zu Italiens erster Fußgängerzone erklärt.
Parken kann man nur außerhalb der Stadtmauern.

Der Verkehr und das Fahren ist zwar wesentlich angenehmer als etwa in Florenz, trotzdem sieht es mit Parkmöglichkeiten für Wohnmobile in Zentrumsnähe schlecht aus.

In Siena mit dem Wohnmobil parken

Am besten ist es, außerhalb zu parken. Wir haben gleich einen Campingplatz in Siena angefahren und waren sehr zufrieden:

Der Campingplatz hatte eine sehr gute ÖPNV-Anbindung, eine Bushaltestelle gibt es direkt am Platz. Die Fahrt ins Zentrum dauert etwa 15 Minuten.

Campingplatz Siena Colleverde
Strada di Scacciapensieri 47
53100 Siena 

Die Parzellen auf dem Campingplatz waren zwar etwas eng, dafür war der Platz sehr sauber und das Personal hilfsbereit und freundlich.

Gleich beim Check-In haben wir einen Busfahrplan, in dem beide Linien, die in die Stadt führen mit Uhrzeiten und Haltestellen eingezeichnet sind. Eine solch tolle Organisation habe ich bisher auf noch keinem Platz erlebt!

 

Ein bisschen Geschichte …

Entstehung der Stadt

Wie viele Städte in der Toskana, war auch Siena einst eine Siedlung der Etrusker.
Obwohl die Legende etwas anderes vermuten lässt, wurde der Ort später eine eher unbedeutende Römische Kolonie.

Romulus, Remus, die Wölfin und warum Siena schwarz-weiß ist

Wölfin von Siena

Romulus und Remus gründeten der Legende nach Rom. Nachdem Romulus seinen Bruder Remos getötet hatte, flohen dessen beiden Kinder in die Toskana – der eine auf einem weißen, der andere auf einem schwarzen Pferd. Auf den Hügeln Sienas ließen sie sich nieder. Siena war gegründet.

Die Wölfin, die einst die ausgesetzten Kinder Romulus und Remus säugte, gilt somit als Symbol des römischen Ursprungs der Stadt. Die Farben der Pferde, weiß und schwarz, sind die Stadtfarben Sienas.

Sienas Blüte und ein jähes Ende – das Mittelalter

Soweit die Legende. Fakt ist, dass Siena im Mittelalter durch Handel und Geldgeschäfte zu einer der mächtigsten und reichsten Stadtrepubliken Italiens aufstieg. Lange kämpfte die Stadt gegen das nahegelegene Florenz um die Vorherrschaft in der Region. Im Gegensatz zum papsttreuen Florenz ließen sich die Sienesen lieber von weltlichen Kaisern regieren.

Im 13. und 14. Jahrhundert hatte Siena ihre Blütezeit. Zwischen 1287 und 1355, zu Amtszeiten des sogenannten „Neuer-Rates“ wurden strenge Bauvorschriften erlassen.

In Siena entstanden die bis heute erhaltenen Paläste und Adelshäuser im Gotischen Stil – bis heute hat sich das Stadtbild kaum verändert. Die Backsteine für den Häuserbau fertigte man im Übrigen aus regionaler Lehmerde.

Lediglich der Dom wurde mit weißem Carrara-Marmor verkleidet.

Ein schlimmes Schicksalsjahr erlebte Siena 1348: Die Pest raffte zweidrittel der Einwohner dahin. Von diesem Ereignis konnte sich die Einwohner nie mehr erholen.

Siena Heute

Mit ihren rund 54.000 Einwohnern ist Siena fast schon eine Kleinstadt. Etwa jeder Dritte studiert an der „Università degli Studi di Siena“, eine der ältesten Universitäten Italiens. Gegründet wurde sie 1240.

Seit 1995 gehört die Stadt zum Weltkulturerbe der UNESCO.

 

Der Flair der Stadt – Siena´s Kultur

Gans gegen Giraffe – Die 17 Contraden

Die Flaggen der Contraden
Die Flaggen der Contraden

Als Sienese (ja, so heißen die Bewohner) wird man nicht einfach „nur“ in Siena geboren. Man wird in eine der 17 Contraden geboren, der man lebenslänglich angehört.

Die Contraden sind Sienas Stadtteile, von denen es insgesamt 17 Stück gibt. Entstanden sind die Contraden im Mittelalter, sie bildeten im Kampf gegen Florenz jeweils eine eigene Militärkolonie.

Bis heute spielt die Contrade eine wichtige Rolle. Als Sienese fühlt man sich der Contrade lebenslänglich verbunden. Heute übernimmt die Contrade eher soziale Aufgaben wie die Kinder- und Jugendarbeit, die Alten- und Krankenpflege und natürlich die Organisation des Palio. Das Gemeindehaus ist ein beliebter Treffpunkt der Anwohner.

Jede der Contraden hat ihr eigenes Wappen, ihr eigenes Wappentier, ein Motto, ein Gemeindehaus mit Museum, ihren eigenen Brunnen und: ihr eigenes Taufbecken.

Noch heute werden die Einwohner Sienas zweimal getauft: einmal als Christen mit Weihwasser und ein zweites Mal mit dem Wasser aus dem Stadteilbrunnen, als Zugehörigkeitsritual zur Contrade.

 

Palio – Das spektakulärste Pferderennen der Welt

Palio
Palio – Werbeplakat für ein außerordentliche Palio im Oktober 2018

Zur Kultur Sienas gehört das alljährlich zwei Mal stattfindende Palio – das spektakulärste, härteste und gefährlichste Pferderennen der Welt. Am 2. Juli und am 16. August, wird es auf der Piazza del Campo ausgetragen.

Seit dem Mittelalter treten reihum bzw. durch Losverfahren jeweils 10 der 17 Contraden gegeneinander an. Dabei geht es einzig und allein um den Sieg. Über diesen wird streng Buch geführt: die erfolgreichste Contrade ist die „Nobile Contrada dell’Oca“ – die Contrade der Gans mit über 60 offiziellen Siegen.

Jede Contrade ist dabei durch einen Reiter und ein Pferd repräsentiert. Wessen Pferd als erster drei Mal die Piazza del Campo umrundet hat, ist Sieger des Rennens. Das eigentliche Rennen dauert dabei nur etwa 100 Sekunden.

Um den Wettkampf herum herrscht mittelalterliche Volksfeststimmung: Festumzüge, traditionelle Kostüme, Fahnenschwenker, Trommler, die alten Gesänge der Contrade, im Hintergrund die einmalige Kulisse Sienas.

Wir hatten Glück: im Oktober, als wir Siena besuchten, gab es ein außerordentliches Palio. Wir konnten zumindest die Vorbereitungen miterleben und waren beeindruckt:

Der Stolz der Bewohner auf ihre Contrade war zum Greifen nahe.

Die Schattenseite des Palio: Von Tierschützern wird das Rennen als Tierquälerei angeprangert. Unrecht haben sie ja nicht. Durch Unfälle starben seit 1970 über 50 Pferde während des Wettkampfs.

 

Highlights und Sehenswürdigkeiten

Gassen der Contraden

In kaum einer anderen Stadt gibt es in den Gassen so viele Details zu entdecken, wie in denen von Siena. Überall sind die Farben und Wappen der jeweiligen Contrade präsent. Einfach mit offenen Augen durch die Straßen schlendern.

Die sienesische Wölfin

Siena
Wieviele säugende Wolfsdamen es wohl in Siena gibt?

An vielen Stellen begegnet einem eine säugende Wölfin, die auf einer Säule steht. Die Wölfin gilt als Symbol des römischen Ursprungs der Stadt. Der Legende nach sollen die geflohenen Kinder des von Romulus getöteten Remus Siena gegründet haben.

Piazza del Campo

Piazza del Campo
Piazza del Campo – Bildquelle: pixaby, Foto: makalu

Ein Platz mit ganz besonderem Flair und Austragungsort des Palio. Beim Anblick der mittelalterlichen Häuser fühlt man sich, als sei man 700 Jahre in die Vergangenheit gereist.

Dom Santa Maria Asunta

Dom Santa Maria Asunta
Dom Santa Maria Asunta – Bildquelle: pixaby, Foto: Anajim

Der Dom sticht nicht nur aufgrund seiner Größer hervor. Auch das weiß des Carrara-Marmors hebt sich deutlich vom sonst üblichen ocker-braun der Fassaden ab.

Für eine kleine Stärkung zwischendurch…

Café Nannini
Café Nannini – köstliche Ricciarelli und Tässchen Espresso

Bevor wir uns den Ausblicken auf Siena widmen, brauchen wir erst einmal eine kleine Stärkung. Im altehrwürdigen Café Nannini, dem Elternhaus von Popsängerin Giana Nannini gibt es ein köstliches Mandelgebäck: die Ricciarelli! Wer Marzipan liebt muss sich unbedingt eines der kleinen Häppchen gönnen! Dazu ein leckerer Espresso und es kann weiter gehen.

 

Die schönsten Aussichtspunkte auf die Stadt

Torre del Mangia

Torre del Mangia
Torre del Mangia

Der höchste Aussichtspunkt ist der Torre del Mangia im Palazzo Publico, dem ehemaligen Rathaus. Wer die 400 Stufen und die 10,00 € Eintritt nicht scheut, kann den 87 Meter hohen Turm erklimmen und hat einen grandiosen Blick ins Umland und über die Stadt.

Kirche San Domenico

Kirche San Domenico
Kirche San Domenico

Einen ebenfalls schönen Blick auf die Stadt hat man von der Kirche San Domenico in der „Contrade del Drago“, der Contrade des Drachen.

Fortezza Medici

Das Fortezza Medici ist eine Festung, die um 1560 vom Florentiner Herzog Cosimo I. de’ Medici errichtete wurde. Heute ist sie eine Parkanlage mit schönen Aussichten auf Siena und das Umland.

Wohnmobil-Reise durch die Toskana: hier geht´s weiter in´s Val d´Orcia!

oder zurück nach San Gimignano…

Annalena Bauer
Annalena Bauerhttps://www.ausflugsbox.de
"In Bayern daheim - in der Welt zu Hause". Auch wenn Annalena beruflich viel und gerne weltweit unterwegs ist, gefällt es ihr "dahoam" schließlich doch am Besten. Mit "dahoam" ist allerdings nicht das heimische Wohnzimmer, sondern vielmehr Bayern und der Alpenraum gemeint. Ob zu Fuß oder mit dem Rad - Hauptsache in der Natur!

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