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Johannesburg: Reisetipps für eine unterschätze Metropole

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Johannesburg: Reisetipps für eine unterschätze Metropole
Erlebnisse in Joburg

Als ich am Abend in Frankfurt abfliege, herrscht typisch deutsches Winter-Wetter:
Es ist nass, kalt, regnerisch. Von Schnee oder gar Sonne keine Spur.

Eine Nacht, knappe 9.000 Kilometer und fast 12 Stunden später:
Früher Morgen. – Sonne. 20 Grad.

Johannesburg – ganz schön hipp

Wer nach Südafrika reist, kommt an Johannesburg kaum vorbei. Der Flughafen ist einer der größten in Afrika und ein bedeutendes Drehkreuz für Reisende und Geschäftsleute aus der ganzen Welt.

Die Einwohner nennen ihre Stadt liebvoll „Joburg“ oder „Gauteng“.
Wenn wir an Johannesburg denken, mögen uns im ersten Moment eher Attribute wie „Wirtschaftsmetropole“, „nicht sehenswert“ oder „hohe Kriminalitätsrate“ in den Sinn kommen.

Ja, Klischees haben meist einen wahren Kern.

Wenn man sich aber ein bisschen mit der Stadt und ihren Möglichkeiten befasst, merkt mann schnell, dass Johannesburg doch etwas zu bieten hat. Getrost kann man ein, zwei Tage in Joburg verbringen und dabei vieles erleben.

Mit fast 4,5 Millionen Einwohnern im Ballungszentrum ist Johannesburg die größte Stadt Südafrikas und das wirtschaftliche Zentrum des Landes.

Das Schicksal, sich irgendwann als Finanz- und Wirtschaftsmetropole zu etablieren, war der Stadt wohl schon vor ihrer Gründung Ende des 19. Jahrhunders vorherbestimmt: 1886 entdeckte ein Australier die riesige Goldader, die das Gebiet durchzieht. Der Goldfund sprach sich natürlich schnell herum. Die einfache Zelt-Siedlung mitten im Nichts entwickelte sich bereits vier Jahre nach dem Goldfund zur zweitgrößten Stadt Südafrikas. Auf IsiZulu heißt Johannesburg „Egoli“. Wörtlich übersetzt heißt das soviel wie „Ort des Goldes“.

Touristen-Attraktionen in Johannesburg

Johannesburg bietet sich gut zum Auftakt oder Abschluss einer Südafrika-Rundreise an.

Nicht entgehen lassen sollte man sich eine geführte Tour durch Soweto, dem wohl buntesten und kontrastreichsten Township in Johannesburg. Mit seinen knapp 1,3 Millionen Einwohnern gäbe Soweto locker eine eigene Großstadt ab.

Seit 2001 werden im Apartheid Museum die Schikanen und Diskriminierungen, die Schwarze und Farbige Jahrzehnte lang aushalten mussten dokumentiert und zumindest im Ansatz für die Besucher greifbar. Das Museum geht unter die Haut, ist aber sehr sehenswert und hervorragend aufbereitet.

In Südafrika gibt es zahlreiche Nationalparks. Von Johannesburg aus empfiehlt sich ein Ausflug in den nahe gelegenen Pilanisberg Nationalpark.

 

Soweto – Township und „Schwarze Diamanten“

Über eine Bekannte habe ich Karsten, einen Deutschen der in Johannesburg aufgewachsten und mit einer Südafrikanerin verheiratet ist, kennengelernt. Er kennt Soweto wie seine eigene Westentasche.
Am Vormittag sind wir verabredet, ich möchte Soweto mit ihm erkunden.

Ganz ehrlich: bis vor einiger Zeit habe ich einen Township noch für eine „Armensiedlung“ mit all seinen Begleiterscheinungen gehalten. Also Vergleichbar mit den Slums in Indien oder mit den Favelas in Südamerika.

Die Fahrt von meinem Hotel nach Soweto dauert etwa eine halbe Stunde. Sofort merke ich, wie sehr Karsten für das Land, seine Menschen aber auch für Soweto förmlich brennt.

Im Auto erzählt er über die Gründung Johannesburgs und die Geschichte des „South-Western-Townships“:


Die Anfänge des South Western Townships – oder kurz: Sowetos

Anfang des 20 Jahrhunderts siedelten sich in diesem Gebiet viele Arbeiter-Familien an. Unter den Arbeitern waren vor allem Schwarze aus anderen Landesteilen und viele Inder.
Die Entdeckung der Goldader lag noch keine 20 Jahre zurück.

Größere Probleme zwischen Schwarzen und Weißen Einwohnern gab es damals noch nicht.

1902 eroberten die Briten Südafrika. 1910 riefen sie die „Südafrikanische Republik“ aus und fingen an, das Rassensystem zu etablieren. Schwarze, Farbige und Inder wurden – getrennt von der Weißen Bevölkerung – in primitiven Baracken-Siedlungen in die Vororte Johannesburgs gedrängt. Diese Vororte nannten man Townships.


 

Auf dem Weg nach Soweto kommen wir am größten Fußballstadion Südafrikas vorbei. In diesem Stadion wurde unter anderem das Finale der Fußball-WM ausgetragen. Nebenbei erwähnt Karsten, dass Johannesburg – ganz im Gegensatz zu Rio – sehr von der WM profitiert hat. Auch heute – fast zehn Jahre danach sind die positiven Effekte noch spürbar.

Stadtion Johannesburg
Das WM-Stadtion in Johannesburg

Orlando Towers

Als wir nach Soweto reinfahren, fallen als erstes zwei riesen große, bunt bemalte Kühltürme auf: die Orlando Towers. Sie gehören zu einem alten Kohlekraftwerk, das allerdings schon seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr in Betrieb ist.

Zwischen den beiden Türmen ist eine Hängebrücke gespannt. Mutige können sich am Bungee-Seil in die Tiefe stürzen: Das Abenteuer kostet 550 Rand – umgerechnet etwa 35€.

 

Hector Pieterson Museum

Um die Geschichte Sowetos besser verstehen zu können, fährt mich Karsten erst einmal zum Hector Pieterson Memorial.

Hector Pieterson Memorial
Hector Pieterson Memorial

1976 begehrten in Soweto über 10.000 Schüler gegen die herrschende Weiße Rasse auf. Sie wollten die allgegenwärtigen Diskriminierungen und ungleichen Bildungs-Chancen nicht mehr länger hinnehmen und veranstalteten am 16. Juni 1976 zu einem friedlichen Protest-Marsch.

Es dauerte nicht lange bis die Polizei eintraf und die ersten Schüsse fielen. Der damals erst 13 Jahre alte Hector Pieterson war eines der ersten Opfer der Aufstände.

Hector Pieterson
Hector Pieterson stirbt in den Armen Mbuyisa Makhubos. Neben ihnen rennt seine Schwester, Antoinette Sithole

Neben dem Hector Pieterson Memorial wurde das Hector Pieterson Museum errichtet. Das Museum dokumentiert die Aufstände, mit denen die Apartheid in Südafrika 1994 schließlich abgeschafft wurde.

Für mich ist es kaum vorstellbar, dass das Ende der Apartheid gerade einmal 25 Jahre zurück liegt.

Wandel in Soweto

Mittlerweile gibt es in Soweto eine durchaus breite und sehr stolze Mittelschicht.
Wir besuchen eine typische Familie. Obwohl sie hier zur Mittelschicht zählen, leben sie für unseren Standard trotzdem in durchaus ärmlichen Verhältnissen. Ihr kleines Haus besteht aus lediglich zwei Räumen:

Das Schlafzimmer im hinteren Teil des Hauses ist mit dem Bett und dem Schrank schon voll. Das andere Zimmer kombiniert Küche, Wohn- und Esszimmer. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sie sehr stolz darauf sind. Im Wohnzimmer steht sogar ein alter Fernseher.

Im Innenhof, den sich die Nachbarn teilen, gibt es immerhin fließend Wasser und Sanitäranlagen. Das ist in weiten Teilen Sowetos selbst heute nicht selbstverständlich.

Soweto
Unten: Straße in Soweto. So lebt Soweto´s Mittelschicht. – Oben: Meine drei kleinen Freunde.

Von der Familie werden wir unglaublich herzlich empfangen und bekommen Umqombothi, ein aus Maismehl gebrautes Bier gereicht. Für mich ist das Wort noch heute ein unaussprechlicher Zungenbrecher: beim „th“ am Ende des Wortes schnalzt man laut mit der Zunge an den Gaumen.

Umqombothi
Umqombothi. Das Maisbier wird traditionell im Tontopf serviert.

Ein relativ neues Phänomen sind allerdings die ersten Millionäre, die aus Soweto kommen. Von den Locals werden sie die „Black Diamonds“- die „Schwarzen Diamanten“ genannt. Black Diamonds sind im Township aufgewachsene, dunkelhäutige Afrikaner, die es „wirklich geschafft“ und sich reich gearbeitet haben. Trotzdem würden sie nie im Traum daran denken, ihren Township zu verlassen.

Bereits zu Zeiten der Apartheit war der Township nicht nur Armenviertel mit Wellblech-Behausungen. Die Häuser der Vilakazi Street zum Beispiel waren zwar klein und sehr einfach ausgestattet, aber schon damals gemauert.

In einem dieser standardisierten, sogenannten „Type C2 Houses“, wohnte ab 1964 kein geringer als Nelson Mandela.

Vilakazi Street – ehemaliger Wohnort Mandelas

Noch vor rund 40 Jahren wäre die Vilakazi Street – wie auch der Rest Sowetos – für weiße Besucher eine absolute No-Go-Area gewesen.
Heute ist sie eines der Highlights in Joburg und aus dem Standard-Touristen-Programm nicht mehr wegzudenken.

Im ehemaligen Wohnhaus von Nelson Mandela ist seit Ende der 1990er Jahre ein Museum eingerichtet.

Im übrigen ist die Vilakazi Street die einzige Straße der Welt, die sich mit gleich zwei Nobelpreisträgern rühmen kann: im Gegensatz zum 2013 verstorbenen Nelson Mandela wohnt Desmond Tutu nach wie vor in Soweto. Ab und an soll er sogar durch die Straßen schlendern.

Nelson Mandela
Nelson Mandela Museum in der Vilakazi Street 8115

 

Apartheid Museum

Ein absolut sehenswertes Museum ist das Apartheids-Museum in Johannsburg.

Apartheitsmuseum
Der Eingang des Apartheids-Museums. Links für Weiße, rechts für Schwarze…

An der Kasse erhält man die Eintrittskarte. Das ist soweit nichts außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist jedoch, dass auf der Karte entweder „BLANKES / WHITES“ oder „NIE-BLANKES / NON-WHITES“ steht und man so als Besucher das Los zieht entweder als Schwarzer oder als Weißer die Ausstellung zu betreten.

Ein interessanter Moment, in dem man die Willkür am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Auch der Rest der Ausstellung ist sehr gut aufbereitet. Es gibt unzählige Dokumente, Videos, Bilder und Texte zum Lesen. Nach guten drei Stunden war ich allerdings ganz schön geschlaucht. Die Sammlung ist sehr umfangreich.

Mich hat das Museum sehr nachdenklich gestimmt und ich empfand die Ausstellung teilweise beklemmend. Trotzdem sollte man sich das Museum auf den Fall ansehen!

 

Pilanisberg – raus der Stadt

pilanisburg
Pilanisburg Nationalpark

Mein absolutes Highlight in Johannisburg war ein Ausflug in den Pilanisberg Nationalpark! Es war atemberaubend, auf Tuchfühlung mit den Elefanten zu gehen und die „Big Five“ in freier Wildbahn zu erleben.

Zu den „Big Five“ gehören:

  • der Elefant
  • das Nashorn
  • der Büffel
  • der Löwe
  • und: Leoparden

Wir hatten Glück und konnten immerhin drei der Big Five beobachten.
Außer hinter Leopard und Büffel darf ich sogar hinter allen ein Häkchen setzen.

Pilanisberg liegt etwa eine Stunde von Joburg entfernt.

In Johannisburg gibt es eine Vielzahl von Anbietern die das Erlebnis als Tagesausflug oder – auf Wunsch – mit Übernachtung in einer Lodge anbieten.

Ein Erlebnis, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

Infos und Reisetipps für Johannesburg

Beste Reisezeit:

Nach Johannesburg kann man das ganze Jahr über gut reisen: Die Tages-Temperaturen sind das ganze Jahr über recht mild und liegen bei durchschnittlich gut 20 Grad Celsius.

Die wärmsten Monate sind mit rund 25 Grad Dezember bis Februar, allerdings sind das auch die niederschlagsreichsten Monate.

Zwischen Mai und September regnet es zwar deutlich weniger, allerdings kann es dann mit Tages-Höchsttemperaturen um die 15 bis 20 Grad auch recht kühl sein.

Nachts ist es generell sehr kalt – unbedingt eine warme Jacke mitnehmen!

 

Die Einreise – Dokumente und Gesundheits-Empfehlungen:

Einreise

Laut Website des Auswärtigen Amtes ist ein Reisepass zwingend erforderlich. Die Einreise mit einem vorläufigen Reisepass ist ebenfalls möglich.

Personalausweise werden nicht akzeptiert.

Gesundheits-Empfehlungen

Wenn man aus Deutschland einreist, sind keine Impfungen vorgeschrieben. Je nachdem, in welchen Landesteil man weiter reisen möchte, wird eine Gelbfieber-Impfung sowie ggf. eine Malaria-Prophylaxe empfohlen.

Weitere Informationen auf der Seite des Auswärtigen Amts.

Johannesburg liegt auf knapp 1.800 Meter höhe. Vor Ort sollte man daher ausreichend trinken und eventuell eine Kopfschmerztablette in Petto haben.

 

Zeitverschiebung:

Trotz der langen Flugzeit von fast zwölf Stunden beträgt die Zeitverschiebung im Winter gerade einmal eine Stunde. Im Sommer herrscht sogar Zeitgleichheit mit Deutschland.

 

Kriminalität in Johannesburg:

Leider muss man sagen, dass die Kriminalität in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. Das sollte einen aber auf keinen Fall von einer Reise nach Südafrika oder Johannesburg abschrecken. Wenn man ein paar Basics, die aber eigentlich selbstverständlich sind beherzigt, sollte nichts passieren:

  • Wertsachen nicht offen tragen
  • eher einfache und schlichte Kleidung wählen
  • nach Anbruch der Dunkelheit: nicht mehr alleine das Hotel verlassen
  • im Hotel über die Gegend und aktuelle Situation informieren
  • für Alleinreisende: je nach Vorhaben evtl. Gruppen-Anschluss suchen
  • im Falle eines Überfalls: keinen Widerstand leisten (!)
  • Vorsicht ist vor allem an Straßenkreuzungen/ roten Ampeln geboten, hier kommt es häufiger zu Auto-Überfallen

 

Fortbewegen in Johannesburg:

Johannesburg hat leider kein öffentliches Verkehrssystem. Zwar gibt es Sammel-Taxen, für Auswärtige ist das System aus Handzeichen allerdings kaum durchschaubar und die Nutzung nicht zu empfehlen.

Bei geführten Touren wie etwa durch Soweto oder in den Pilanisberg Nationalpark holen einen die Guides in der Regel bereitwillig im Hotel ab.

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Uber gemacht. Die Fahrer waren in der Regel sehr pünktlich und zuverlässig, die Autos in einem sauberen Zustand.

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