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Mittsommer in Schweden – ein lang gehegter Wunsch wird wahr

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Mittsommer in Schweden – ein lang gehegter Wunsch wird wahr
Titelbild: pixaby - Foto: Patrik Linden

Einmal zum Mittsommer nach Schweden!

Ja, das war ein lang gehegter Traum von mir:

Mittsommer?!
Bis zum Morgengrauen trällernd um die Mittsommerstange, die „Midsommerstang“ tanzen – natürlich mit Blumen-Kränzchen im Haar. Dazu – ganz traditionell – an einer langen Tafel eingelegte Heringe mit jungen Kartoffeln essen und nebenher das ein oder andere Kräuter-Schnäppchen zwitschern.
Und zum Dessert gibt’s natürlich Kanelbullar (ihr wisst schon, die schwedischen Zimtschnecken mit Kardamom) – was sonst?

So wie bei uns in Bayern das Mai-Baum aufstellen, nur ein bisschen anders halt.

Soweit meine Vorstellung von Mittsommer.

Mein Mittsommer in Schweden – und wie es wirklich war

Für die Schweden ist Mittsommer, beziehungsweise „Midsommar“ wie sie es nennen, der zweitwichtigste Feiertag im Jahr – nur Weihnachten ist noch wichtiger.

Gefeiert wird Mittsommer mit der Familie oder mit Freunden.

Zu Hause.

Im kleinen Rahmen.

Wir haben keine schwedischen Freunde, geschweige denn Familie in Schweden. Die Sache mit der langen Tafel und dem Heringe schlemmen konnte ich mir also schnell aus dem Kopf schlagen. Das mit dem Schnaps auch.

Und das mit dem Um-den-Baum-tanzen? Wohl auch.

Mittsommer in Södra Vi bei Vimmerby

So ganz hatte ich die Hoffnung trotzdem noch nicht aufgegeben, zumindest irgendwo beim Baum aufstellen zusehen zu können. Irgendwo, wo er traditionell und feierlich in einer Dorfgemeinschaft aufgestellt wird und keine Inszenierung für einen Touristen mit Klischees im Kopf ist.

Ich musste mich etwas durchfragen, aber irgendwann bekam ich den Tipp nach Södra Vi in der Nähe von Vimmerby in Småland zu fahren. Södra Vi ist eine Gemeinde mit immerhin knapp 1.200 Einwohnern. Das Aufstellen des Baumes war für etwa 17.00 Uhr geplant.

Mit dem Wohnmobil ist es manchmal nicht ganz einfach einen Parkplatz zu bekommen. Deswegen plane ich immer etwas extra Zeit für die Suche ein. Zu unserer Überraschung war es für die schwedischen Parkeinweiser eine Selbstverständlichkeit, dass wir mit dem Wohnmobil auf die abgesteckte PKW-Parkwiese fahren dürfen. Es geht auch unkompliziert!

Statt Parkplatzsuche: Geschichte zum Anfassen

Uns blieb jetzt noch viel Zeit, das Areal zu erkunden.

Hütte Park Södra Vi
Einst lebten Soldaten mit ihren Familien in den kleinen Hütten, heute Abend sind sie für Besucher geöffnet .

In Södra Vi wird der Baum auf einer Wiese im Park aufgestellt. Für die Größe des Ortes hat der Park eine wirklich stattliche Größe. Früher, im 18. Jahrhundert war auf dem Areal eine Kasserne angesiedelt. Die Soldaten lebten mit ihren Familien in winzig kleinen und im typischen Schwedenrot angemalten Häuschen. Zur Feier des Tages sind die Hütten geöffnet und man kann sie auch von innen besichtigen. So schön sie heute anzusehen sind, zum Leben ging es wohl sehr beengt zu.

In der großen Scheune erfährt man etwas über die Geschichte des Ortes und der Region. Zudem gibt es ein kleines Museum mit alten Landwirtschaftlichen Geräten.

Kurz vor fünf: die Blasmusik spielt auf

So langsam scheint es ernst zu werden, von draußen hört man die örtliche Blasmusik-Kappele spielen. Also: nichts wie raus und auf ins Getümmel.

Der Platz hat sich inzwischen ordentlich gefüllt. Von Oben zieht ein bunter Trupp Kinder und Erwachsene ein. Mittendrin: der mit Kranz und Girlande geschmückte Baum!

Handys und Kameras werden gezückt, der Baum wird aufgestemmt und die Bürgermeisterin hält eine Ansprache.

Und dann: dann fängt die Musik wieder an zu spielen und alle tanzen plötzlich wie auf Kommando nach einer scheinbar fest vorgegebenen Choreografie.

Ehe ich mich versehen habe, war ich plötzlich Teil des Reigens!
So habe ich mir Mittsommer in Schweden vorgestellt!

Verstanden habe ich wenig. Die Lieder waren mir unbekannt. Aber es ging vorwärts, rückwärts, seitlich, mal langsam, mal schnell mal hüpfend, mal stampfend mal schleichend. Hände rauf, Hände runter, Drehung links, Drehung rechts und so weiter.

Die Schweden zu meiner Linken und meiner Rechten gaben sich redlich Mühe, mir die Liedtexte simultan zu übersetzten, oder mir zumindest den Inhalt der Lieder zu erklären.

Und plötzlich – plötzlich erkannte ich doch eine Melodie. Die Schweden fingen alle lauthals an mitzuschmettern. Diesen Text konnte sogar ich – zumindest die deutsche Variante.
Alle, die früher fleißig Michel aus Lönneberga geguckt haben, wäre zumindest die Melodie nicht unbekannt gewesen: Kennt ihr es noch, Idas Sommerlied?

Glaub nicht, von allein würd‘ es Sommer
in Garten und Wiese und Wald.
Den Sommer den muss jemand wecken,
dann blühen die Blumen schon bald.
Ich lasse die Blumen erblühen,
lass sprießen das Gras und den Klee.
Ja, nun kann der Sommer beginnen,
denn schmelzen ließ ich schon den Schnee…

Mittsommer – zwischen Ausgelassenheit und Melancholie

mittsommer

Die Winter sind in Schweden lang und dunkel. Der kurze Sommer wird in vollen in Zügen genossen. An Mittsommer, der Sommersonnwende wird die längste Tag des Jahres des gefeiert.

Gleichzeitig geht es aber auch etwas melancholisch zu. Immerhin werden ab jetzt die Tage wieder kürzer und der dunkle Winter rückt von Tag zu Tag näher.

Gefeiert wird Mittsommer in der Woche um den 24.06.
Die Feierlichkeiten beginnen am Freitag Abend („Midsomaraften“) und der Samstag ist dann offizieller Feiertag. Am Samstag sind große Städte wie leer gefegt, die Menschen sind bei Verwandten oder im Ferienhäuschen auf dem Land. Die Geschäfte haben geschlossen.

Möchtet ihr gerne einmal Mittsommer in Schweden feiern? Dann solltet ihr euch folgende Termine im Kalender schon einmal vormerken:

2020: 19. und 20. Juni
2021: 25. und 26. Juni
2022: 24. und 25. Juni

Mittsommer – die Hotspots der Schweden

Hotspots Mittsommer Schweden

So richtig gefeiert wird Mittsommer vor allem im mittleren und nördlichen Teil des Landes.

Allerdings haben wir uns auf unserer Reise vor allem auf Süd-Schweden fokussiert, noch einmal 1.000 km nur für Mittsommer zu fahren war uns zu weit.

Für Touristen gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, beispielsweise hätte es bei uns in der Nähe im Freizeitpark „Astrid Lindgrens Värld“ ebenfalls eine Feier gegeben. Auch in einigen Freilichtmuseen finden Feierlichkeiten statt, zu denen nicht nur (ausländische) Touristen kommen.

Hotspots zum Feiern sind unter anderm:

In Süd-Schweden

Hier finden viele Veranstaltungen auf den Schlössern um Göteborg statt:

  • 30 km von Göteborg: Schloss Nääs
  • 10 km von Göteborg: Schloss Gunnebo, Väsgergötland
  • 45 km von Göteborg: Schloss Tjolöholm bei Kungsbacka

In Mittel-Schweden – Region Stockholm

  • Freilichtmuseum Skansen in Stockholm:
  • Schäreninsel Sandmann (vor Stockholm)

Ebenfalls in Mittel-Schweden:

  • Leksand in Dalarna, 120 km von Falun
    (größtes Mittsommer-Fest in Schweden, bis zu 20.000 Menschen)

Achja, „vom Elch“ wurde ich ja auch noch „geknutscht“!

Vom Elch geknutscht

Nach Södra Vi kommen zu Mittsommer nur wenige Touristen. Nachdem der Baum aufgestellt und man mit Tanzen fertig ist, trifft sich – wer möchte – noch zu einem kleinen Snack. In unserem Fall Kaffee und Kanelbullar.

Wir werden natürlich schnell als Besucher enttarnt. So bekommen wir, neben einer Restaurant-Empfehlung für Stockholm, den Tipp unbedingt noch einen Abstecher in den nahe gelegenen Elchpark zu unternehmen.

Elch-Safari im Virum Elchpark

Den Virum Elchpark, auf Schwedisch Älgpark, gibt es seit gut zehn Jahren. Auf einem acht Hektar großen Areal leben Elche und Hirsche. Mehrmals am Tag werden Safaris durch den weitläufigen Park angeboten. Mit einem Traktor, der eine Wagenkollone hinter sich zieht geht es im Schritttempo durch den Park. Die Tiere sind sehr zutraulich und freuen sich über die Fütterung.

Adresse:

Virum Älgpark
Össebo 520
598 96 Vimmerby
Schweden

Und nächste Woche?

Nächste Woche nehmen wir euch auf einen Abstecher in die Schwedische Hauptstadt mit.

Im Beitrag „Stockholm in 24 Stunden“ erfahrt ihr, wie ihr in kurzer Zeit möglichst viel von der Stadt erleben könnt und wo man mit dem Wohnmobil am besten übernachten kann!

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